14. September 2018

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Vortrag: „Reise in ein unbekanntes Land - in Würde alt werden“

 Foto: Hilke Ostendörp

 Wie können wir in Würde alt werden? Mit dieser Frage setzte sich am Donnerstagabend Frau Anita Christians-Albrecht in ihrem Vortrag „Reise in ein unbekanntes Land - in Würde alt werden“ im Gemeindehaus in Westrhauderfehn auseinander. Der Vortrag wurde vom Diakonie Ausschuss des evang.-luth. Kirchenkreises Rhauderfehn ausgerichtet.

Deutschland altert. Diese und ähnliche Phrasen sind seit Jahren im Umlauf und beschäftigen unsere Gesellschaft immer stärker. So auch am Donnerstag Abend im Gemeindehaus in Westrhauderfehn. Vor 60 Teilnehmern stellte die Beauftrage für Altenseelsorge der Landeskirche Hannover Frau Christians-Albrecht verschiedene Thesen zum Umgang mit dem Älterwerden vor.

Es kommen mehr Menschen ins gehobene Alter. Statistisch gesehen ist Deutschland die zweiälteste Gesellschaft der Welt. Aber mit der hohen Lebenserwartung steigt auch die Angst. Während früher das Älterwerden mit Würde gleichgesetzt wurde, ist dies heutzutage oft nicht mehr der Fall. Die Anzahl der Demenzkranken und Pflegebedürftigen steigt, während die Zahl der Pflegekräfte sinkt. Ein weiterer Trend, der in den letzten Jahren beobachtet werden konnte ist das sogenannte Ageism. Altersverachtung. Altersdiskriminierung. Ältere Menschen fühlen sich oftmals als Auslaufmodell, leider unter der zunehmenden Unduldsamkeit der Leistungsgesellschaft, vereinsamen und sehen sich entwürdigt.
Die Menschenwürde ist Basis im Grundgesetz und doch stellt sich die Frage, was Würde überhaupt ist. Dazu ging Frau Christians-Albrecht auf den Ursprung und die Geschichte des Begriffes der Würde ein. Sie betonte, dass Menschenrechte und Menschenwürde eine unabgeschlossene Lerngeschichte seien. Die Anwesenden diskutierten in Kleingruppen was Würde für sie bedeutet und ob Menschenwürde vom Alter abhängig ist. Anschließend wurden die Ergebnisse im Plenum vorgestellt. Der Konsens war, dass Würde Achtung, Teilhabe und gegenseitigem Respekt bedeutet und unverlierbar ist. Dabei ist es der Auftrag der Menschen, dass nicht nur junge, starke, leistungsfähige Personen Achtung und Würde erhalten. Dies sei besonders auch Auftrag der Kirche. Im christlichen Würdebegriff wird diese mit Beziehung gleich gesetzt. Durch die Stärkung der Beziehung kann auch die Würde gestärkt werden. Dies könnte z.B. durch Hausgemeinschaften oder Mehrgenerationenhäuser umgesetzt werden.

Wichtig sei vor allem, so Frau Christians-Albrecht abschließend, dass wir selbst beginnen dem negativen Altersbild entgegenzuwirken. Dazu müssten wir lernen den Zustand des Älterwerden zu akzeptieren, auch im Alter die eigenen Wünsche ernst nehmen, lernen Hilfe anzunehmen und aufhören zu denken sich im Alter nicht mehr einbringen zu können. Ein weiterer Aspekt sei sich (ungewollte) Diskriminierungen bewusst zu machen, Stellung zu beziehen und diesen entgegenzuwirken. So könnten alle dazu beitragen das negative Bild vom Alter von innen nach außen neu zu gestalten.